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Guttenberg-Seite bei Facebook ein Fake?

Ein exklusiver Blick in die Statistik

Foto von Guttenberg auf der Fan-Seite bei Facebook: Mehr als eine halbe Million mal "Gefällt mir" geklickt. (Screenshot: Rhein-Zeitung)  Foto von Guttenberg auf der Fan-Seite bei Facebook: Mehr als eine halbe Million mal „Gefällt mir“ geklickt. (Screenshot: Rhein-Zeitung)

Die Facebook-Seite “Wir wollen Guttenberg zurück” hat binnen kürzester Zeit massive Aufmerksamkeit erregt. Mehr als 560.000 “Gefällt mir”-Klicks zeigte die Seite am späten Freitag Abend, und pro Minute kamen anfangs 100 und selbst zu später Stunde weitere 20 hinzu. Geht das mit rechten Dingen zu?

Ich konnte einen Teil der Guttenberg-bei-Facebook-Mechanik überprüfen, einen Blick in den Maschinenraum der Seite werfen. Der Betreiber hat mir vertrauensvoll einen Adminzugang zu der Seite und damit zur Facebook-Statistik eingeräumt.

Zur Vorgeschichte: Mit der Internet-Seite versuchen Sympathisanten des zurückgetretenen Verteidigungsministers, ihn zurück in die Politik zu holen. Schon kurz nach dem kometenhaften Aufstieg der Seite kamen allerdings erste Zweifel an ihrer Lauterheit auf. Der Medienstratege Peter Berger nannte Indizien dafür, dass “die Fans genauso gefaket sind wie die Doktorarbeit des früheren Verteidigungsministers”:

Die angebliche Massenbewegung für den Ex-Minister ist zweifelhafter als die Geschichte vom Baron Münchhausen. Und sie hätte nicht den Weg in die Medien finden dürfen.

So hält es Berger für zweifelhaft, dass die Seite auf einen Schlag mehr Fans holt als die Serie “DSDS” in neun Jahren (145.000 Fans). Und dass der Strom der Fans auch nachts nicht abebbt. Hinzu kommen nach seinen Worten viele Fans, die selbst keine Freunde bei Facebook haben. Die Frankfurter Rundschau benennt “eigene Recherchen”, nach denen es bei der Facebook-Seite “nicht mit rechten Dingen” zugeht. Auch Internet-Fachmann Sascha Lobo war nach einigem Beobachten von Zweifeln genährt und hat nun ein Experiment gestartet, um die Seite zu überprüfen: Betrügt die Guttenberg-Seite auf Facebook mit den Fan-Zahlen?

“Da ist nichts gefaket”

Die Gründer der Seite weisen dagegen Manipulationen von sich. “Das sind dubiose Verdächtigungen, da ist nichts gefaket”, sagt Tobias Huch, selbst Politiker aus Mainz und einer der jungen Leute hinter der Seite. Ähnlich äußert sich im Stern der 22-jährige Student Marius, der die Seite ursprünglich angelegt hatte und nun von Huch und anderen bei der Moderation begleitet wird. Huch hatte selbst die Seite ProGuttenberg gestartet, die ähnlichen Zuspruch verzeichnet.

Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen zeigt zumindest, dass die rasant steigenden Zugriffszahlen echt sind. Das Zahlenmaterial stammt aus der Facebook-eigenen Statistik, die ich selbst eine Zeitlang als eine Art Gast-Administrator mit Genehmigung der Seitenersteller auslesen durfte.  Beispiele:

Was sagen uns diese Zahlen?

Ich bin kein Facebook-Experte. Aber aus dem, was in der internen Statistik aufgezeichnet wurde, lese ich Folgendes heraus:

  • Nichts deutet darauf hin, dass an der Gutenberg-Facebook-Seite technische Manipulationen vorgenommen wurden, um die Nutzerzahlen zu erhöhen.
  • Die hohen “Gefällt mir”-Zahlen werden durch verfeinerte Einzeldaten der internen Facebook-Statistik gestützt. 32 Millionen Beitragsaufrufe, 463.000 mal Feedback zu Beiträgen werden von der Facebook-Statistik genannt.
  • Die hohen Zahlen gelten nicht nur für die Seite “Wir wollen Guttenberg zurück”, sondern auch für die Seite ProGuttenberg (wo ich ebenfalls als Gastadmin Zugriff auf die Facebook-Statistik nehmen konnte).
  • Die Zahl der eigenen Pinnwandeinträge ist vergleichsweise gering, die der passiven Leser dagegen sehr hoch.
  • Google (55.000) und Twitter (9200) spülten neben Facebook selbst am meisten Leser auf die Seite, weit abgeschlagen folgen Spiegel Online, N-tv, Welt.de, Stern.de und Meedia.
  • Besonders viele Nutzer dieser Seite kamen aus Deutschland und von dort aus den großen Städten wie München.

Lest Ihr weitere Erkenntnisse aus den Grafiken? Bitte gerne als Kommentar ergänzen.

Nichts sagen diese Daten, Zahlen, Fakten über Sockenpuppen. Das sind jene Beiträge, die durch gezielte Manipulation mehrfach und anonym oder unter falscher Kennung gepostet werden. Sicher, es gab und gibt Guttenberg-Fans, die mal eben ein wenig am Rad mitdrehen und mit Mehrfachbeiträgen auf dieser Facebook-Seite für extra Traffic sorgen. Dafür muss man nur einmal die Beiträge im einzelnen nachlesen, wie sie sich wiederholen, von neuen Nutzern kopiert und neu veröffentlicht werden.

Der Schwarm hat Substanz

Wie groß der Anteil dieser manipulierenden Nutzer und Fake-Accounts ist, lässt sich aus dieser Statistik nicht herauslesen. Ich halte ihren Anteil aber für geringer als befürchtet: Keine Partei scheint mir in der Lage, das Fachwissen zum Ankaufen oder Selbst-Erstellen von Facebook-Fake-Accounts gezielt für eine Ad-Hoc-Nummer wie nach Guttenbergs Rücktritt in diesem Ausmaß zusammenzustellen und so gezielt und heimlich zu nutzen. Das Experiment von Sascha Lobo nebenan dürfte dies vertiefen.

Womöglich haben an den Machern der Seiten vorbei tatsächlich einige von interessierter Seite gezielt dieses Facebook-Angebot genutzt, um es am Köcheln zu halten. Aber das ist Spekulation. Der Schwarm zumindest, das belegen diese Daten, ist da. Der Schwarm hat Substanz.

Quelle :

05. März, 2011 von Marcus Schwarze
Das Netz nutzen
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März 5, 2011 - Posted by | Uncategorized | , , , , , , , , ,

1 Kommentar »

  1. […] sich durch die Diskussion über die KT zum Guttenberg-Fanseiten, die überaus rasant an Fans gewann. Einzelne Berichte von Leuten, die sich gar nicht fürs Thema interessieren und auch nie im […]

    Pingback von Volker König » Blog Archiv » Kann man etwas versehentlich mögen? Bei Facebook ja! | März 7, 2011 | Antwort


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